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Über das Kranksein und seine unangenehmen Nebenwirkungen

Die kalte Jahreszeit hat wieder begonnen. Überbeheizte Räume, Außentemperaturen gegen Null. Und da kommt es, wie es kommen muss: in irgendeiner öffentlichen Einrichtung hustet einem irgendwer seine Bazillen entgegen und man wird ebenfalls krank. Und urplötzlich wird jenes Geschlecht, was gewöhnlich als das starke bezeichnet wird, zum nörgeligen, jammernden Kind. Mit herabgezogenen Mundwinkeln schleichen sie herum und klagen ihren unmenschlich großen Schmerz in die Welt hinaus. Und wenn sich das starke bereits ein schwaches Geschlecht an Land gezogen und in seine Höhle entführt hat (oder aus Mamas Höhle nie verschwand), rutsch gleich das ganze Gesicht – zumindest zuhause - ein Stück nach unten, wird dieser Mitleid erregende Blick aufgesetzt, der permanent fleht: bitte pflege mich, koch mir Tee, nehme mich in die Arme, streichle mich und sage mir möglichst oft, wie bedauernswert ich bin… Ich begreife nicht, wie da irgendeine Frau ruhig bleiben und/oder erfreut ihre Rolle als Pflegerin übernehmen kann. Beim ersten Anzeichen von Krankheit und dem Ruf nach Hilfe von einer Person, die nicht kurz vorm Sterben ist und durchaus in der Lage, sich selbst zu ver- und umsorgen, geht meine Laune in den Keller. Schau ich sofort ungeheuer missmutig drein, um anzudeuten, dass er ja nicht zu viel erwarten soll, halte Vorträge darüber, was nicht in den Aufgabenbereich einer Freundin fällt, dass eine simple Erkältung auch dann niemals tödlich endet, wenn man keinen Tee trinkt, das Teekochen an sich auch keine Aussage darüber macht, wie es um meine Gefühle für ihn steht, ich selbst keine Pflege nötig habe, wenn erkrankt und er sich deswegen auch nicht so anstellen soll. Letzten Endes, vielleicht wegen des schlechten Gewissens, vielleicht der Ruhe wegen - oder nur, um dem Zustand schnellst möglichst ein Ende zu bereiten -, trotte ich dann doch etwas häufiger in die Küche, um neuen Tee zu machen, strecke ein wenig öfter die Hand aus, um ihn zu streicheln. Und brummle nebenbei, wie idiotisch das alles ist…


Verallgemeinerungen möge mir man(n) verzeihen, mir ist klar, dass es auch Herrschaften gibt, die mit Krankheit anders umgehen.
29.10.08 09:55


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